Samstag, 15. Juli 2017

Wachstuch selber machen?



Endlich mal wieder ein Blogpost!

Da ich beruflich in den vergangenen Monaten sehr viel zu tun hatte, bin ich kaum zum Nähen gekommen, weshalb es hier auch nichts zu lesen gab. Auf Facebook habe ich zumindest ein paar Dinge gezeigt, die ich nebenbei abends und am Wochenende noch so geschafft habe. Wer also auch von mir lesen will, wenn es hier nichts zu lesen gibt, darf mir gern auf Facebook folgen.



Nun aber zum "Wachstuch". Natürlich spreche ich, wenn ich von Wachstuch spreche, nicht vom eigentlichen Wachstuch aus Kunstfaser, welches man als Tischdecke billig überall bekommt, sondern von dem, was wir gut zum Nähen verwenden können, nämlich von beschichteter Webware.
Es gibt unterschiedlich beschichtete Stoffe, mal dünn beschichtet, nicht glänzend und weich im Griff, mal dicker und gänzend beschichtet und auch fester im Griff. Trotzdem haben sie gemeinsam, dass man sie abwischen kann und sie nicht so schnell schmuddelig aussehen.

Ich benutze beschichtete Webware aus Baumwolle (im Folgenden nur noch Wachstuch) vor allem für Portmonees, aber auch manchmal für Taschen. Da ich oft keine großen Mengen benötige, kaufe ich das Wachstuch häufig als fertigen Zuschnitt an unterschiedlichen Ständen auf dem Stoffmarkt Holland. Natürlich haben einige Stände auch Onlineshops, man kann es also auch online bestellen. Hier seien TippTappStoffe, die Stofftanten und Kleinkariert Stoffversand erwähnt, bei denen ich gerne einkaufe.

Obwohl einige davon tatsächlich selbst Stoffe beschichten lassen, die man dann auch nur dort als Wachstuch bekommt, hat doch irgendwie jeder von uns einen Baumwollstoff im Regal, den er so gerne mit den Eigenschaften von Wachstuch vernähen würde. Etwas fester und vor allem schmutz- und wasserabweisend, schnell mal abzuwischen...

Ich habe mich ein bisschen belesen, was es so für Möglichkeiten gibt, selbst Stoffe mit den Eigenschaften von Wachstuch auszustatten.


Zum einen gibt es seit einiger Zeit OdiCoat Gel zur Stoffbeschichtung von Odif, welches Stoffe zu Wachstuch machen soll.
Zum anderen kann man Stoff selbst wachsen, so richtig mit Wachs, ganz klassisch natürlich. Dazu sollte sich das Fjäll Räven Greenland Wax eignen.

Ich habe beide Möglichkeiten für euch getestet...

Der Preis

Odif OdiCoat Gel bekommt man im Kurzwaren-Fachhandel so ab ca. 14,50 € für 250 ml. Es soll für 2,5 m² Stoff reichen.
Ich habe es beim Nähpark Diermeier bestellt.

Das Fjäll Räven Greenland Wax bekommt man im Outdoor-Fachhandel so ab ca. 6,00 € für ein 100g-Stück.
Ich habe es bei SportOkay.com bestellt.


Die Verarbeitung

Für das OdiCoat Gel muss man zunächst seinen Arbeitsplatz herrichten. Es ist auf jeden Fall eine Unterlage (z.B. Blätter einer Schreibtischunterlage) zu empfehlen, die man hinterher wegwerfen kann.
Dann legt man das zu bearbeitende Stück Stoff auf die Unterlage, gibt das OdiCoat auf den Stoff und verteilt es mit einem mitgelieferten Kärtchen (wie eine Bankkarte) in alle Richtungen auf dem Stoff.


Danach lässt man es ca. 1 Stunde antrocknen und wiederholt den Vorgang ein zweites Mal, ggf. auch noch ein drittes Mal. Die letzte Schicht muss 12 Stunden trocknen.

Am besten zieht man sich beim Einarbeiten des Gels in den Stoff Einmalhandschuhe an, denn das Zeug ist an den Fingern beim Abwaschen fast wie Kaugummi, also nervig abzuschrubben. Außerdem riecht es etwas künstlich.

Nachdem die letzte Schicht getrocknet ist, fixiert man die Beschichtung mit einem Bügeleisen auf Stufe 2. Dazu legt man Backpapier zwischen Bügelbrett und Stoff sowie zwischen Stoff und Bügeleisen.



Zuvor muss man aber erstmal den beschichteten Stoff von der Unterlage abpulen. Vielleicht war ich etwas großzügig mit dem OdiCoat Gel. Keine Ahnung. Jedenfalls hab ich natürlich auch die Ränder mit beschichtet und so etwas über den Rand geschmiert. Dort muss es zwischen Stoff und Papierunterlage gelaufen sein, die sich dann an den Rändern echt schwer und zum Teil gar nicht mehr abpulen ließ. :(




Der Stoff soll sich nach dem Fixieren durch das Bügeln bei 30°C im Schonwaschgang waschen lassen. Getestet habe ich das noch nicht.


Für das Greenland Wax benötigt man keine große Vorbereitung. Man legt den Stoff vor sich auf den Tisch und reibt mit dem Wachsstück über den Stoff. Man sieht, wie weiße Schlieren auf dem Stoff entstehen.


Nachdem der Stoff mit Wachs eingerieben ist, muss man das Wachs in den Stoff schmelzen. Dies kann man auf unterschiedliche Art und Weise machen.
Ich habe dafür die Transferpresse benutzt (15 Sekunden bei 75°C).



Wichtig bei der Transferpresse und beim Bügeleisen ist - wie auch bei dem OdiCoat Gel - Backpapier unter und über den Stoff zu legen, damit man nichts einschmiert.

Man kann aber auch das Bügeleisen oder einen Föhn zum Einschmelzen des Wachses nehmen.

Mit dem Einschmelzen verschwinden die weißen Wachsschlieren. Der Stoff wird durch das Wachsen minimal dunkler.

(ein Teil war schon in der Presse, der andere noch nicht)

(links gewachst, rechts ohne Wachs)

Sobald das Wachs eingeschmolzen ist, wiederholt man die Prozedur so oft, bis man das gewünschte Ergebnis erreicht hat. Ich habe 4x eingerieben und geschmolzen.

Das Ganze ist mit wesentlich weniger Schmierkram als bei dem OdiCoat Gel verbunden, schmiert nämlich einfach gar nicht. Das ist schon um einiges angenehmer.
Dann ist man auch schon fertig und kann direkt zuschneiden und vernähen.

Das Wachs soll sich bei 40°C in der Waschmaschine wieder auswaschen lassen, man kann den Stoff aber jederzeit neu wachsen. Getestet habe ich das Waschen auch hier noch nicht.


Die Ergebnisse

Beide Arten der Beschichtung sind vollkommen unterschiedlich, sodass man gar nicht sagen kann, was besser oder schlechter ist.

Die Verarbeitung des OdiCoat Gels ist zwar etwas Schmierkram, aber auch nicht wirklich schwierig.
Ich denke, dass der 250 ml Pott bei den von mir aufgetragenen und auch empfohlenen 3 Schichten nicht für 2,5 m² reicht. Ich habe ein Stück von ca. 40 x 45 cm beschichtet. Flächenmäßig also ähnlich wie das gewachste Stück. Dabei hab ich geschätzt ca. 1/4-1/3 des Gels verbraucht, sodass ich davon ausgehe, dass auch das Gel nur für ca. 1 m² Stoff reicht.
Im Ergebnis bedeutet das, dass das Gel erheblich teurer ist.
Leider hat es bei mir minimale Flecken gegeben. Das wird aber an meinem Gel gelegen haben. Normalerweise soll das Gel eine homogene Masse sein. Bei mir hatte sich - warum auch immer - ein dicker Klumpen in der Mitte gebildet. Den konnte ich zwar in kleinere Klumpen zerteilen, aber nicht wieder zu einer Masse verrühren oder schütteln. So hab ich die Klumpen auf dem Stoff zerdrückt und verstrichen. An einigen Stellen ist nun die Beschichtung etwas ungleichmäßig geworden. Ich denke, dass das die Stellen sind, wo ich die Klumpen eingearbeitet habe.

(hier stark vergrößert, damit ihr seht, was ich meine)

Ansonsten finde ich das Ergebnis sehr gut!
Der Stoff ist nun wasserabweisend und einfach abwischbar.




Die Verarbeitung des Greenland Wax' ist aus meiner Sicht einfacher und vor allem natürlich schneller. Allerdings wird der Stoff dabei nicht unbedingt gleichmäßig gewachst, sondern wirkt ein wenig "benutzt". Sobald man den mit Wachs beschichteten Stoff knüllt, bilden sich Knicke und Streifen und man bekommt einen wunderbaren Look wie bei getragenen Barbour-Jacken. Ziemlich cool. Aus meiner Sicht wirkt das dann besonders bei unifarbenen Stoffen sehr gut und ich kann es mir gerade für Taschen super vorstellen.


Auch der gewachste Stoff ist super wasserabweisend und lässt sich abwischen. Hier mal im Vergleich mit dem selben Stoff gewachst und ungewachst.


Für ein Stück Stoff von ca. 35 x 55 cm habe ich nur knapp 20g des Wachses (also 1/5 des Stücks) benötigt. 100g Wachs sollten also bei 4-facher Beschichtung für 1 m² Stoff reichen.

Beide Beschichtungsarten sind also im Ergebnis sehr gut, aber komplett unterschiedlich.
Ihr müsst nun selbst entscheiden, ob euch das Ergebnis des OdiCoats, welches ein Wachstuch wie gekauft macht, oder das Ergebnis des Greenland Wax', welches klassisch wachst wie bei Wachsjacken, besser gefällt. Ich finde beides auf seine Art super!




Habt ihr schon eine der beiden Möglichkeiten ausprobiert? Wie hat es bei euch geklappt?
Oder kennt ihr noch weitere Möglichkeiten, um Webware mit den Eigenschaften von Wachstuch auszustatten? Was genau habt ihr gemacht?

Vernäht habe ich die bearbeiteten Stoffe noch nicht. Gerne zeige ich euch aber später die Ergebnisse..

Der Beitrag ist verlinkt bei Somachichdas.

Bis hoffentlich bald...
eure Christina


Kommentare:

  1. Hab mit dem Odicoat eine grobe Webware behandelt ud dann zu einer Handtasche verarbeitet. Ist super geworden und mache ich bestimmt wieder...

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  2. Hi Christina,
    wie witzig, jetzt wollte ich gerade mal bei dir vorbeiluschern, da sehe ich deinen neuesten Post ... der/die/das Odicoat steht nämlich seit ein paar Wochen bei mir und wartet auf seinen ersten Einsatz.
    Vielleicht muss die Tellzwowzo dann mal mit dem behandelten Stoff arbeiten ;-)
    Liebe Grüße,
    Kathy

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    1. Hi Kathy,
      dann schreib doch nochmal hier, wie es geworden ist, wenn du das Ganze dann vernäht hast.
      LG Christina

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  3. Danke für den Vergleich. Ich nähe zwar selten mit Wachstuch, aber wenn doch mal wieder Bedarf ist, kann ich mit dem Stoff arbeiten, den ich hier habe.
    Mich würde noch interessieren, woher der Klumpen kam. Bei mir könnte es nämlich sein, dass das Gel noch länger rumsteht ;)
    Wie lange ist es denn haltbar (offen/geschlossen)?
    LG
    Tanja

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    1. Liebe Tanja,
      das habe ich auch schon versucht herauszufinden.
      Petra vom Nähpark sagte, dass es an einer falschen Lagerung liegen kann. Es hat bei mir bei Raumtemperatur auf dem Regal gestanden, nicht in der Sonne, aber natürlich Tageslicht abbekommen. Es hat ungefähr 9 Monate seit Bestellung bei mir rumgestanden, ehe ich es geöffnet habe. Da ich es bestellt habe, ist nicht auszuschließen, dass es vielleicht auch beim Transport mal zu viel Hitze oder so bekommen haben könnte.
      Ein Haltbarkeitsdatum findet sich nicht auf der Verpackung. Auch mit der Hilfe von Google konnte ich keine Antwort darauf finden.
      Also... im Ergebnis weiß ich es leider nicht. :( Vielleicht hab ich einfach eine Montagsdose bekommen. Wer weiß...?
      LG Christina

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  4. Hallo Christina,

    dieses Odicoat habe ich bestimmt schon ein Jahr in meiner Schublade - unbenutzt :-) . Deinen Vergleich finde ich sehr interessant, zumal ich leztens gelesen habe, dass man zum Wachsen auch ganz wunderbar reines Bienenwachs nehmen kann (das ist sehr praktisch, weil mein Mann Hobbyimker ist....wir sitzen sozusagen direkt an der Quelle ;-) ). Kannst Du vielleicht noch mal einen Blick auf das Outdoor-Wachs werfen um mir zu sagen bzw. zu schreiben, wie sich dieses Wachs zusammensetzt?? Synthetisch oder natürlich?

    Viele liebe Grüße
    Janine

    P.S.
    Danke übrigens für Deinen Kommentar bei mir :-) .

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    1. Hey Janine,
      das Greenland Wax setzt sich zusammen aus Paraffin und Bienenwachs. Zu welchen Anteilen steht nicht drauf. Es steht aber auch drauf, dass keine Lösungsmittel oder chemische Substanzen drin sind. Mehr findet sich auf der Verpackung nicht.
      Reicht dir das als Info?
      LG Christina

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  5. Hallo Christina,

    danke, ja das reicht :-) . Vermutlich wird Paraffin beigemischt, weil es so in der Herstellung günstiger wird. Ich habe nach Deinem Blogbeitrag noch ein wenig weiterrecherchiert und bin dabei auf ein Terpentin-Bienenwachs-Leinöl-Gemisch gestoßen. Das lässt sich wohl sehr leicht auftragen, hat aber eine irre lange Trocknungszeit. Ist für unser Vorhaben (z.B. um Taschen zu imprägnieren) wahrscheinlich ähnlich, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schiessen ;-). Dieses Gemisch wird wohl ganz gerne benutzt, um Outdoorkleidung regenresistent zu machen - ohne Chemie!

    Danke für Deine schnelle Antwort.

    Viele Grüße
    Janine

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  6. Hallo,
    ich bin über Sewunity auf diesem Blog gelandet und fand den Artikel sehr interessant.
    Allerdings erschließt sich mir nicht, was das Wachsen bringt, wenn es sich bei 40 Grad auswäscht. Warum will man das, wenn man es vorher mühsam gewachst hat? Und bedeutet das im Umkehrschluss, dass man den gewachsten Stoff denn auf 30 Grad waschen darf, ohne den Effekt einzubüßen?

    Liebe Grüße
    Piwoly

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    1. Hallo Piwoly,
      ich habe hier ja nur zwei Möglichkeiten des Imprägnierens von Stoffen vorgestellt und deren Eigenschaften aufgelistet. Was jeder daraus für sich selbst mitnimmt, bleibt ja jedem selbst überlassen.
      Das Wachs wäscht sich bei 40°C aus, so der Hersteller. Ich selbst habe den behandelten Stoff nicht gewaschen. Ob er eine Wäschen bei 30°C unbeschadet übersteht, kann ich daher nicht sagen. Ich denke aber, dass er auch da entsprechende Einbußen hätte aufgrund des Waschmittels. Es ist eben "nur" Fett. Ich werde den Stoff so gewachst verarbeiten. Es gibt ja durchaus Dinge, die man nicht oder zumindest nicht häufig wäscht. Die Barbour-Wachsjacken bspw. wäscht man nie, egal wie alt sie sind. Die gibt man höchstens zur Reparatur oder zum Wachsen. Weil sie Dank des Wachses imprägniert sind, ist das Waschen auch nicht erforderlich. Da reicht abbürsten oder abwischen völlig aus. Das ist eben die Pattina, die man da haben will.
      Die Eigenschaften des OdiCoat Gels sind da ganz anders. Den damit bearbeiteten Stoff kann man waschen.
      Es sind eben zwei ganz unterschiedliche Methoden.
      LG Christina

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Ich freue mich sehr über eure Kommentare! :)